Thema des Monats Oktober 2009


Bild 1: Kupfererzgewinnung in der Mongolei
Quelle: Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe 2009

Während alle Welt über eine sichere Energieversorgung diskutiert, wird die Versorgung unserer Industrie mit metallischen Rohstoffen in der Öffentlichkeit bisher kaum als Problem wahrgenommen. Dabei sind sie für die industrielle Wertschöpfung in den westlichen Volkswirtschaften kaum weniger grundlegend und die europäischen Staaten einschließlich Deutschlands in hohem Maße von Importen abhängig.
Metalle sind in Schlüsselsektoren wie dem Fahrzeug- und Maschinenbau allgegenwärtig. Die metallverarbeitende Industrie allein beschäftigt in Deutschland über eine Million Arbeitnehmer. Die volkswirtschaftliche Bedeutung wird in Zukunft eher noch steigen, denn ein Großteil von Hochtechnologie-Produkten wie Elektroautomobile, Flachbildschirme und Solarzellen sind ohne bestimmte, zum Teil seltene Metalle wie z.B. Lithium, Indium und Tantal nicht denkbar.

Zwar verfügt Deutschland durchaus über eigene Vorkommen an Metallerzen. Aus Rentabilitätsgründen wurde der klassische Metallerzbergbau Anfang der 1990er Jahre jedoch, wie in anderen europäischen Ländern auch, eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt waren metallische Rohstoffe auf dem Weltmarkt in ausreichender Menge und zu relativ niedrigen Preisen verfügbar. Dies war einer der Gründe, warum sich deutsche Unternehmen wie ThyssenKrupp und Volkswagen auch aus dem Metallerzbergbau im Ausland zurückzogen. Die einzige bedeutende einheimische Quelle ist heute das Recycling von Schrott, aus dem nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) immerhin gut die Hälfte des industriellen Bedarfs gedeckt wird.

Während die Importabhängigkeit aufgrund der niedrigen Weltmarktpreise lange Zeit unproblematisch erschien, hat sich die Situation seit etwa 2003 fundamental geändert. Berechnungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zufolge haben sich die Preise für metallische Rohstoffe von 2003 bis 2008 im Schnitt vervierfacht. Die deutschen Importausgaben für Metalle und Metallerzeugnisse stiegen in diesem Zeitraum um 64 Prozent auf rund 20 Mrd. Euro, obwohl die Einfuhrmenge lediglich um ein Viertel stieg. Hauptauslöser dieser Entwicklung war das rasante chinesische Wirtschaftswachstum, dank dem China zur führenden Importnation bei praktisch allen metallischen Rohstoffen aufstieg. „China hat den Markt aufgekauft“, so ein Experte der BGR. Zudem war auch in den westlichen Industriestaaten eine steigende Nachfrage zu verzeichnen.

Die hohen Preise machten in Deutschland nicht nur Straßenschilder, Katalysatoren und sogar Eisenbahnschienen zu einem beliebten Diebesgut, sondern führten auch zu einer Wiederaufnahme der Explorationsaktivitäten. Die großen transnationalen Bergbaukonzerne durften sich derweil über Rekordgewinne freuen, was für eine Welle von Fusionen und Übernahmen sorgte. Höhepunkt war eine 100 Milliarden Euro-Offerte des weltweit größten Bergbaukonzerns BHP Billiton für den Konkurrenten Rio Tinto im vergangenen Jahr. Die zweitgrößte Unternehmensfusion in der Geschichte nach der Übernahme des deutschen Mannesmann-Konzerns durch die britische Vodafone 1999 scheiterte jedoch, weil BHP sein Angebot aufgrund sinkender Rohstoffpreise zurückzog. Auch die australische Wettbewerbsbehörde und die Europäische Kommission hatten Bedenken angemeldet, weil das neue Unternehmen mehr als ein Drittel des weltweiten Eisenerzmarktes kontrolliert hätte.


Verschiffung von Eisenerz in Cape Lambert Port, Australien
Quelle: Rio Tinto 2009

Die weltweite Wirtschaftskrise hat auf den Metallmärkten für einen deutlichen Rückgang der Nachfrage und sinkende Preise gesorgt. Dass dieser Zustand von langer Dauer ist, darf jedoch bezweifelt werden. Zwar haben die Bergbaukonzerne ihre Förderkapazitäten in den letzten Jahren erheblich ausgebaut und ihre Explorationsinvestitionen von 2003 bis 2007 etwa verfünffacht. Dadurch werden dem Markt in den kommenden Jahren bedeutende zusätzliche Mengen zufließen. Andererseits sprechen das ungebrochene chinesische Wachstum und der beträchtliche Nachholbedarf anderer Schwellenländer wie Indien, Brasilien und Russland für eine konstant hohe Nachfrage. Die Preise für Kupfer, das mit Abstand das von Deutschland am häufigsten importierte Metall ist, stiegen bereits im ersten Halbjahr 2009 wieder um mehr als 50 Prozent.
Bei einigen Metallen wird die Nachfrage auch deshalb steigen, weil sie in Hightech-Produkten unverzichtbar sind. Ein Beispiel dafür ist Lithium, das in Batterien für Laptops und Handys und Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommt. Hier ist gerade vom staatlich geförderten Ausbau der Elektromobilität ein erheblicher Nachfrageschub zu erwarten.

Sorgen hat indes vor allem auch die europäische Stahlindustrie. Stahl hat als Vorprodukt für z.B. den Fahrzeug- und den Maschinenbau eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung. Obwohl Eisenerz, der Grundstoff für die Stahlproduktion, geologisch mehr als ausreichend vorhanden ist, teilen sich hier nur drei Unternehmen den Markt: Die so genannten Big Three, die brasilianische Companhia Vale do Rio Doce, die britisch-australische Bergbaugesellschaft Rio Tinto und der australische Konzern BHP Billiton, kontrollieren über 70 Prozent des Welthandels. Von 2001 bis 2008 hat sich der Preis für Eisenerz fast verfünffacht. Der Großteil der Weltproduktion wird nicht an der Rohstoffbörse, sondern direkt zwischen Anbieter und Abnehmer gehandelt. Die Preise werden in bilateralen Verhandlungen der Eisenerzproduzenten und den Stahlproduzenten für jeweils ein Jahr festgelegt. Wegen der hohen Nachfrage konnten die Big Three die Preise in den vergangenen Jahren praktisch diktieren. Auch im Krisenjahr 2009 sanken die Eisenerzpreise mit 33 Prozent nicht in gleichem Maße wie die Stahl- oder andere Metallpreise. Aus dem Oligopol könnte bald ein Duopol werden: Rio Tinto und BHP haben im Juni 2009 angekündigt, im kommenden Jahr ihre australische Eisenerzproduktion in einem Joint Venture zusammenlegen zu wollen. BHP hat darüber hinaus weitere Zukäufe angekündigt. Mit einem niedrigeren Preisniveau ist auch auf dem Eisenerzmarkt in den kommenden Jahren daher nicht zu rechnen.

Florian Wassenberg, M.A.
Politikwissenschaftler


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