23/06/2010

Stabile Verbindung für weniger Materialschäden

Die Dresdner perfluorence GmbH i.G. hat den mit 7.500 Euro dotierten Prof.-Johannes-Nelles-Preis im Cluster Chemie/Kunststoffe beim IQ Innovationspreis Mitteldeutschland der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland gewonnen. Das Unternehmen erhielt die Auszeichnung gestern Abend im Theater der Stadt Gera vor mehr als 300 Gästen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien für ein Verfahren zur Herstellung eines Spezialgemisches, mit dem Schmierstoffe in stark beanspruchten Bauteilen wie Lagern und Getrieben verbessert, und damit Wartungsaufwand und Materialkosten gesenkt werden können.

„Durch den neuen Zusatzstoff sind Hochleistungskunst- und Schmierstoffe dauerhaft bei höchsten Belastungen einsetzbar“, freute sich Harald Beer vom Preisstifter Dow Olfinverbund GmbH aus Schkopau. „Von dieser Innovation profitieren beispielsweise der Maschinenbau oder die Automobilindustrie“, sagte Beer.
Für Wirtschaftsinitiative-Geschäftsführer Klaus Wurpts „zeigt diese Innovation, dass das mitteldeutsche Cluster Chemie/Kunststoffe längst am Weltmarkt mitmischt“. Damit knüpfe die Region erfolgreich an ihre lange Tradition an.

Die perfluorence GmbH i. G., eine Ausgründung aus dem Leibniz-Institut für Polymerforschung Dresden e.V. Sie hat mit Zusatzstoffen für Hochleistungskunst- und Schmierstoffen zur Optimierung von Reibungsvorgängen befasst. Diese entmischen sich im Laufe der Zeit, was eine eingeschränkte Lebensdauer von Bauteilen wie Kugellagern bewirkt.

Der perfluorence ist es gelungen, das Additiv Polytetrafluorethylen (PTFE) chemisch mit Ölen und Kunststoffen zu verbinden. Bei dem patentierten Verfahren wird das PTFE mit Gamma- oder Elektronenstrahlung beschossen. Dadurch werden Radikale und funktionelle Gruppen gebildet, die mittels einer speziellen Verarbeitungstechnik eine stabile Verbindung mit dem Schmiermittel oder dem Kunststoff eingehen. Eine Entmischung ist dadurch kaum noch möglich. Wesentlich geringere Reibung, weniger Verschleiß und gute Verarbeitbarkeit sind die Vorteile. Durch den Einsatz des modifizierten PTFEs halten stark beanspruchte Bauteile wie Lager und Getriebe in Autos, Kränen, Förderanlagen und Windrädern länger. Materialkosten und Wartungsaufwand können verringert werden. Weniger Reibung bedeutet auch einen geringeren Energieverbrauch.

Gemeinsam mit den Preisstiftern gab die Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland gestern auch den Gesamtsieger und sechs weitere Clustersieger des IQ Innovationspreis Mitteldeutschland sowie die Sieger der lokalen Innovationspreise Halle (Saale), Jena, Leipzig und Ostthüringen bekannt. Die Preise haben einen Gesamtwert von 83.000 Euro. Der mit 15.000 Euro dotierte IQ-Gesamtsieg ging an die Probiodrug AG für einen weltweit neuartigen Therapie-Ansatz gegen die Alzheimer-Krankheit. Das Team um Gründer Hans-Ulrich Demuth hat den Mechanismus entdeckt, der die gefährliche Ablagerung bestimmter Eiweiße im Gehirn verursacht. Ein passender Therapie-Ansatz soll ab dem Jahr 2012 erstmals am Menschen getestet werden, so dass in sechs bis acht Jahren ein Medikament gegen die Alterskrankheit entwickelt sein könnte.

Alle Clustersieger und der Gesamtsieger erhalten eine einjährige Mitgliedschaft in der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland und damit einen Zugang zum wichtigsten regionalen Netzwerk.

In der Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland engagieren sich strukturbestimmende Unternehmen sowie Kammern und Städte aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit dem gemeinsamen Ziel einer nachhaltigen Entwicklung und Vermarktung der Wirtschaftsregion Mitteldeutschland. Mit dem IQ Innovationspreis Mitteldeutschland fördert die Wirtschaftsinitiative neuartige, marktreife Produkte, Verfahren und Dienstleistungen zur Steigerung von Innovation und Wettbewerbstätigkeit der Wirtschaft in der Region.