27.07.2011

Expertenumfrage: Beschleunigter Atomausstieg bringt viele Risiken, aber wenig Chancen

Insbesondere für die metallerzeugenden und -bearbeitenden Unternehmen bringt der Atomausstieg nach Meinung der Experten teils sehr hohe wirtschaftliche Risiken mit sich. Das ergab eine Experten-Umfrage der IW Consult unter 65 Professoren der Wirtschaftswissenschaften im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) und der WirtschaftsWoche.

Das geringste Risiko droht nach Ansicht der Experten dem Dienstleistungssektor: Nur ein Ökonom charakterisiert die Risiken für diese Branche als hoch. Große Chancen aus der sukzessiven Abschaltung der Atommeiler ergeben sich dagegen nach Expertenmeinung vor allem für die Energiewirtschaft. Für alle anderen Branchen konstatieren die Experten mehrheitlich geringe Chancen. "Energie ist ein wichtiger Inputfaktor für die Wirtschaft in Deutschland. Unüberlegte Entscheidungen gefährden nicht nur einzelne Unternehmen, sondern den gesamten Standort Deutschland", bemerkte Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der INSM.

Die Ökonomen rechnen vor allem kurzfristig mit negativen Auswirkungen. 58 von 65 Professoren sind der Meinung, der Ausstieg sei schlecht für die Versorgung mit günstiger Energie und 38 Experten glauben, dass dadurch die gesicherte Energieversorgung gefährdet sei. "Nicht nur die Preise für elektrische Energie werden steigen, sondern auch die Preise der Sekundärprodukte" befürchtet Prof. Charles Blankart von der Humboldt-Universität zu Berlin, der an der Umfrage teilgenommen hat. Knapp die Hälfte der befragten Experten sieht sogar die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands beeinträchtigt.

Zwar relativieren sich in der langfristigen Perspektive die Befürchtungen der Experten, dennoch überwiegen auch langfristig die Risiken die Chancen. Positiv wirkt sich der Atomausstieg auf Investitionen und Innovationen aus. Damit rechnen jeweils rund die Hälfte der Wirtschaftswissenschaftler. "Der Markt reagiert auf die veränderten Rahmenbedingungen. Wichtig ist es jetzt, dass die Marktkräfte in der Energieerzeugung wirken können. Denn nur der Wettbewerb weiß, welche Technologien effizient sind und welche nicht. Subventionen für ausgewählte Technologien verzerren den Wettbewerb und verhindern einen schnellen und effizienten Strukturwandel", warnt Pellengahr.

Für das Expertenvotum der IW Consult, einer Tochtergesellschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, haben 65 Professoren für Wirtschaftswissenschaften an deutschen Universitäten zwischen dem 22. Juni und dem 8. Juli 2011 an einer Online-Befragung teilgenommen. Die Umfrage ist Teil des Deutschland-Checks, einer Dauerstudie im Auftrag der INSM und der WirtschaftsWoche.

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist ein
überparteiliches Bündnis aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Sie wirbt für die Grundsätze der Sozialen Marktwirtschaft in
Deutschland und gibt Anstöße für eine moderne marktwirtschaftliche
Politik. Die INSM wird von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und
Elektro-Industrie finanziert.

Quelle: IW Consult

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