Regional zeigt sich die Produktion weiterhin konzentriert. Michoacán führt mit 2,86 Millionen Tonnen vor Nuevo León (2,65 Mio. t), Veracruz (1,99 Mio. t), Guanajuato (1,79 Mio. t) und San Luis Potosí (1,12 Mio. t). Die aus dem Vorjahresbericht bekannten Automobil- und Industriecluster bleiben also auch stahlseitig die tragenden Regionen.
Zollschock trifft auf Nearshoring-Rekord
Bemerkenswert ist der Kontrast zur Gesamtwirtschaft. Während die Stahlexporte einbrechen, verzeichnet Mexiko beim Nearshoring weiterhin Rekordwerte. Der bilaterale Warenhandel mit den USA erreichte 2025 mit 872,8 Milliarden US-Dollar einen Höchststand, und mehr als die Hälfte der ausländischen Direktinvestitionen 2026 ist inzwischen explizit nearshoring-getrieben. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber knapp einem Drittel noch vor vier Jahren. Besonders profitieren Sektoren wie Pharma, Medizintechnik, Automobilzulieferung und digitale Technologien. Mexiko hat damit China als wichtigsten Handelspartner der USA abgelöst. Auch für diese Investitionen wächst allerdings die Unsicherheit rund um die USMCA-Revision, da strengere Ursprungsregeln (mindestens 75 % regionale Wertschöpfung bei Fahrzeugen) und branchenspezifische Sonderzölle den Vorteil des nordamerikanischen Standorts relativieren.
Europäische Unternehmen als Treiber des Nearshoring-Booms
Ein wesentlicher Teil dieser Investitionswelle stammt aus Europa. Bereits 2023 übernahm der deutsche Stahlhändler Klöckner & Co für 340 Millionen US-Dollar den mexikanischen Stahl-Service-Anbieter National Material of Mexico und baute damit seine Position genau dort aus, wo die bedeutendsten Automobil- und Industriekunden der Region ansässig sind. thyssenkrupp Materials Services investierte in ein neues Servicecenter im zentralmexikanischen San Luis Potosí und begründete den Schritt damit, dass Mexiko vor dem Hintergrund der Transformationsthemen Elektromobilität, Nachhaltigkeit und Lieferkettenresilienz ein klarer Wachstumsmarkt sei. Auch der Hagener Kaltwalzspezialist Waelzholz kündigte jüngst den Bau seines ersten eigenen Werks in Mexiko an, das ab Mitte 2028 nahe Saltillo den nordamerikanischen Markt beliefern soll.
Dass gerade jetzt in neue Kapazitäten investiert wird, obwohl die US-Zölle die mexikanische Stahlbranche hart treffen, mag zunächst widersprüchlich wirken. Für die europäischen Unternehmen zählt jedoch weniger der Export aus Mexiko heraus als der direkte, lokale Zugang zum nordamerikanischen Markt selbst. Dieser Ansatz wird von den USMCA-Ursprungsregeln explizit begünstigt und umgeht die Sektorzölle für viele Produktkategorien. Ob dieses Kalkül angesichts der laufenden USMCA-Revision und strengerer Wertschöpfungsvorgaben tragfähig bleibt, wird sich mit dem Ausgang der Verhandlungsrunden zeigen.
Ein schwieriger Weg aus der Krise
Für die mexikanische Stahlindustrie zeichnet sich 2026/27 kein schneller Ausweg ab. Solange die Sektorzölle nach Section 232 in Kraft bleiben und die USMCA-Zukunft ungeklärt ist, dürfte der US-Markt für mexikanischen Stahl schwierig bleiben. Parallel setzt die Branche verstärkt auf den Binnenmarkt, staatliche Unterstützung und Abwehrmaßnahmen gegen asiatische Importe. Ob das reicht, um die stagnierende Produktion wieder auf Wachstumskurs zu bringen, dürfte sich auch am Ausgang der für Ende Juli 2026 angesetzten Verhandlungsrunde zeigen.
Ein Gradmesser für die Stimmung in der Draht-, Kabel- und Rohrindustrie wird die nächste Ausgabe der wire & Tube Mexico sein, die vom 23. bis 25. Februar 2027 im Cintermex in Monterrey im Rahmen der etablierten Expo Manufactura stattfindet. Nach dem starken Wachstum der Vorveranstaltung 2025 mit über 160 Ausstellern aus rund 20 Ländern rechnen die Veranstalter erneut mit einem Besucher- und Ausstellerzuwachs. Gerade angesichts der aktuellen Handelsunsicherheiten dürfte die Messe 2027 ein wichtiger Ort sein, um sich über neue Absatzmärkte jenseits der USA sowie über Investitionen in Automatisierung und Digitalisierung der Branche auszutauschen. Weitere Informationen finden Sie unter wire-tube-mexico.com
Weiterführende Informationen und Quellen