Outokumpu hat mit EvoMaterials eine neue Technologieplattform für die Herstellung CO₂-armer, hochangereicherter Metalle vorgestellt. Das sulfidierungsbasierte Verfahren soll zunächst für Chromwerkstoffe eingesetzt und später auf weitere Metalle wie Nickel und Molybdän ausgeweitet werden. Eine Pilotanlage in den USA soll in der ersten Hälfte des Jahres 2027 in Betrieb gehen.
Der Edelstahlhersteller Outokumpu entwickelt mit EvoMaterials eine Technologie, die die Herstellung hochangereicherter Metalle mit geringeren CO₂-Emissionen ermöglichen soll. Die Plattform basiert auf einem sulfidierungsbasierten Verfahren und soll unter anderem dazu dienen, den Chromgehalt sowie das Chrom-Eisen-Verhältnis von Ferrochrom zu erhöhen.
Nach Angaben des Unternehmens lässt sich das Verfahren auch auf strategisch wichtige Werkstoffe wie Nickel und Molybdän übertragen. Darüber hinaus sollen Metalle aus Nebenströmen zurückgewonnen und wieder für die Produktion nutzbar gemacht werden.
Chrom aus europäischer Rohstoffquelle
Eine wichtige Grundlage für die Technologie bildet die Chromerzmine von Outokumpu im finnischen Kemi. Sie ist die einzige Chrommine auf EU-Gebiet. Dadurch kann das Unternehmen EvoMaterials zunächst für die Herstellung von angereichertem Ferrochrom und Chrommetall einsetzen.
Diese Werkstoffe werden unter anderem in der Raumfahrt, Luftfahrt und Verteidigungsindustrie benötigt. Langfristig sieht Outokumpu in der Technologie die Möglichkeit, eine vollständig westliche Lieferkette für kritische Chromwerkstoffe aufzubauen.
Nach Modellierungen des Unternehmens könnte das Verfahren neben geringeren Emissionen und einer effizienteren Ressourcennutzung auch wirtschaftlich mit konventionellen Herstellungsverfahren konkurrieren.
Entwicklung seit 2021
Die Entwicklung der Technologie begann 2021 in den USA und konzentrierte sich zunächst auf Chromit aus dem Kemi-Bergwerk. Seither hat Outokumpu das Verfahren im Rahmen seiner Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten weiterentwickelt und hochskaliert.
Dabei kombiniert das Unternehmen eigene Technologien und Prozess-Know-how. Unterstützt wurde die Entwicklung unter anderem durch eine nicht-exklusive Patentlizenzvereinbarung mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT). Für mehrere zentrale Elemente der Verfahrenstechnologie hat Outokumpu Patentschutz beantragt.
„EvoMaterials ist mehr als ein weiterer Schritt zur Senkung der CO₂-Emissionen. Die Technologie kann grundlegend verändern, wie wir über die Gewinnung und Herstellung von Metallen denken. Wir können kritische Werkstoffe aus Ressourcen zurückgewinnen, die bislang als Abfall galten. Gleichzeitig können wir die jeweilige Anwendung in der erforderlichen Anreicherung herstellen. Das würde völlig neue Möglichkeiten eröffnen, die Werkstoffe zu sichern, die wir in Zukunft benötigen“, sagt Technologievorstand Stefan Erdmann, CTO von Outokumpu und Leiter von EvoMaterials.
Pilotanlage startet 2027
In den Forschungslaboren von Outokumpu in Haverhill im US-Bundesstaat Massachusetts laufen bereits Versuche und Modellierungen für die neuen Verfahren. Der nächste Entwicklungsschritt ist eine Pilotanlage in Londonderry, New Hampshire.
Dort soll der Durchsatz von derzeit einem Kilogramm auf eine Tonne gesteigert werden. Ziel ist es, die Skalierbarkeit und industrielle Machbarkeit der Technologie nachzuweisen. Nach Angaben des Unternehmens verläuft der Aufbau der Pilotanlage planmäßig.
Die Inbetriebnahme ist für die erste Hälfte des Jahres 2027 vorgesehen. In einem weiteren Schritt plant Outokumpu eine Anlage im industriellen Maßstab, die 2030 den Betrieb aufnehmen könnte. Als mögliche Standorte prüft das Unternehmen derzeit Regionen in den USA und Europa.
Ausweitung auf weitere Metalle geplant
Ab 2030 soll die Technologie auf zusätzliche Werkstoffe und Materialströme ausgeweitet werden. Dazu zählen Speziallegierungen sowie Nickel und Molybdän.
„EvoMaterials wird neu definieren, wie Metalle im 21. Jahrhundert hergestellt werden können. Die Technologie verbindet eine geringere Klimawirkung mit einer höheren Prozesseffizienz. Dadurch kann sie grundlegend verändern, wie wir kritische Werkstoffe gewinnen und produzieren. Der Bedarf an Metallen steigt, Lieferketten werden enger und regulatorische Anforderungen verändern sich. Deshalb brauchen wir Lösungen, die CO₂-ärmer, geopolitisch resilient und wirtschaftlich wettbewerbsfähig sind. EvoMaterials basiert auf dem Anspruch, alle drei Anforderungen zu erfüllen. Die Überführung dieser Technologie in den industriellen Maßstab wird für Outokumpu ein wichtiges neues Kapitel aufschlagen“, sagt Kati ter Horst, Vorstandsvorsitzende und CEO von Outokumpu.
Quelle: Outokumpu