Im Beisein von Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann und Staatssekretärin Stefanie Pötzsch des Landes Sachsen-Anhalt hat das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS seine neue »Technologieplattform für Kreislaufwirtschaft und Verfahrenstechnik TKV« im Chemiepark Bitterfeld-Wolfen offiziell eröffnet.
Ziel der TKV ist es, Unternehmen bei der Entwicklung effizienter Verfahren zu unterstützen – von der Skalierung über die Erprobung in industrieller Umgebung bis hin zur praktischen Anwendung. Das Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt fördert den Aufbau dieser neuen Forschungsinfrastruktur mit 4,5 Millionen Euro.
Mit der TKV baut das Fraunhofer IKTS sein Forschungs- und Entwicklungsangebot in Sachsen-Anhalt weiter aus. Seit dem 1. Juli 2026 ist die Plattform im Technologie- und Gründerzentrum Bitterfeld-Wolfen ansässig. Über die kommenden vier Jahre soll dort schrittweise eine Infrastruktur aus Laboren und Technika entstehen, die Unternehmen, Forschung und Bildung enger miteinander verzahnt. Gemeinsam mit der chemischen Industrie, innovativen Unternehmen aus der gesamten Region sowie Forschungspartnern sollen so anwendungsnah zukunftsfähige und wirtschaftliche Lösungen entwickelt und schneller in die Praxis überführt werden.
Brücke zwischen Forschung und industrieller Anwendung
Der Chemiestandort Mitteldeutschland steht vor erheblichen Herausforderungen: internationaler Wettbewerb, Abhängigkeiten in Wertschöpfungsketten, hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie der wirtschaftlich anspruchsvolle Übergang zu klimafreundlicherer Produktion. Um diesen Entwicklungen zu begegnen, braucht es neue Technologien, tragfähige Geschäftsmodelle und eine engere Verzahnung von Forschung und Industrie. Genau hier setzt die TKV an: Sie soll die verfahrenstechnische Expertise des Fraunhofer IKTS in den Bereichen Ressourcennutzung, Rohstoffe, Energie, Wasser, Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie noch gezielter für regionale Unternehmen erschließen. Damit entsteht ein niedrigschwelliger Zugang zum breiten Technologieportfolio des Instituts samt praxisnaher Entwicklungs- und Erprobungsumgebungen, ergänzt um Systemanalyse und Modellierung zur ganzheitlichen Bewertung technologischer Entwicklungen.
»Viele technologische Innovationen scheitern beim Übergang vom Labor in den industriellen Maßstab. In Sachsen-Anhalt, geprägt von einer traditionsreichen chemischen Industrie und agilen KMU, schließen wir eine strategisch wichtige Lücke und stärken den Transfer von der Forschung in die Anwendung«, erklärt Dr. Daniela Pufky-Heinrich, Leiterin des Center for Economics and Management of Technologies CEM des Fraunhofer IKTS.
Für die Unternehmen des Chemieparks und der umliegenden Region eröffnet die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IKTS die Möglichkeit, Forschungsergebnisse zügiger in wirtschaftlich tragfähige, industrielle Lösungen zu überführen und neue Verfahren praxisnah bis zur großtechnischen Umsetzung zu testen.
Anwendungsfelder: Chemie, Recycling und Wasserwirtschaft
Einen inhaltlichen Schwerpunkt der TKV bilden membranbasierte Verfahren zur Aufbereitung komplexer Prozess- und Abwässer. Ein weiterer zentraler Bereich ist die Rückgewinnung kritischer Rohstoffe aus festen und flüssigen industriellen Reststoffen.
Dr.-Ing. Burkhardt Faßauer, Abteilungsleiter Kreislauftechnologien und Wasser am Fraunhofer IKTS, betont: »In einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft sind industrielle Reststoffe und auch Prozesswässer nicht Abfall, sondern Wertstoffe. Unser Ziel ist es, diese Stoffe so aufzubereiten, dass sie im Chemiepark oder in benachbarten Industrien wiederverwendet oder in anderen industriellen Anwendungen genutzt werden können. Das spart Ressourcen und senkt Entsorgungskosten.«
Dieser Ansatz schließt sowohl anorganische als auch organische Reststoffe ein. Gerade bei Letzteren entsteht eine inhaltliche Verbindung zur dynamischen Bioökonomie-Branche Sachsen-Anhalts. Ergänzt wird das Angebot durch robuste keramische Sensoren, etwa zur Überwachung korrosionsgefährdeter Behälter und Rohrleitungen, sowie durch datenwissenschaftliche Algorithmen zu deren Auswertung. So ermöglicht die Technologieplattform eine skalierbare Echtzeitüberwachung und eine präzisere Prozesssteuerung – selbst unter anspruchsvollen industriellen Bedingungen.
Einschätzungen aus der Landespolitik
Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt: »Exzellente Forschung braucht nicht nur kluge Köpfe, sondern auch Orte, an denen Neues ausprobiert werden kann. Die Technologieplattform für Kreislaufwirtschaft und Verfahrenstechnik ist ein solcher Ort – offen für Kooperation, wissenschaftliche Neugier und technologische Innovation. Mit der Technologieplattform können wir Wissenschaft und Wirtschaft zudem noch enger verzahnen. Das macht die Wissenschaft und Wirtschaft gleichermaßen attraktiver und wettbewerbsfähiger.«
Stefanie Pötzsch, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt: »Die Transformation der Industrie gelingt dort am besten, wo Forschung, Entwicklung und Unternehmen eng zusammenarbeiten. Mit der Förderung der TKV schaffen wir die infrastrukturellen Voraussetzungen, um Innovationen der Kreislaufwirtschaft schneller in die industrielle Praxis zu überführen und so die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts nachhaltig zu stärken.«
Das Projekt wird mit 4.496.625 Euro durch das Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt gefördert und aus Mitteln der Europäischen Union über den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert.
Quelle: Fraunhofer IKTS