Deutschland steuert mit ungewöhnlich niedrigen Gasreserven auf den Herbst zu. Auch strukturell bleibt die deutsche Energieversorgung stark von Importen abhängig: 2025 stammten zwei Drittel des Primärenergieverbrauchs aus dem Ausland. Rein rechnerisch hätten die heimischen Energiequellen damit nur für 125 Tage im Jahr ausgereicht – bis zum 5. Mai 2026.
Vor dem Hintergrund geopolitischer Risiken sowie anhaltender Störungen globaler Energieversorgung und -lieferketten fordern die Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF) und die European Initiative for Energy Security (EIES), Energieeffizienz fest als strategisches Element von Energiesicherheit und Resilienz zu verankern. Ein gemeinsamer Policy Brief beider Organisationen macht deutlich: Jede eingesparte Kilowattstunde verringert Importabhängigkeiten, entlastet kritische Infrastruktur und stärkt die strategische Handlungsfähigkeit Deutschlands.
„Energieeffizienz ist weit mehr als Klimaschutz. Sie ist ein strategischer Faktor zur Reduzierung von Energieabhängigkeiten. Wer den Energiebedarf senkt, muss weniger Energie importieren, transportieren und im Krisenfall absichern," sagt Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der DENEFF.
„Energieimport-Abhängigkeit ist zu einem Sicherheitsrisiko geworden. Versorgungssicherheit beschränkt sich nicht auf neue Lieferanten und Lieferrouten oder zusätzliche Reserven. Sie beginnt damit, unseren Energiebedarf strukturell zu senken. Energieeffizienz ist eine unverzichtbare strategische Sicherheitsressource für Deutschland und Europa," sagt Dr. Sabrina Schulz, Germany Director der European Initiative for Energy Security (EIES).
Geringerer Energiebedarf stärkt Infrastruktur und Verteidigung
Zwar kann eine breitere Diversifizierung von Lieferanten und Transportwegen einzelne Abhängigkeiten abmildern, die grundsätzliche Importabhängigkeit lässt sich dadurch jedoch nicht beseitigen. Anders wirkt Energieeffizienz: Sie senkt den gesamten Energiebedarf und stärkt damit gleichzeitig strategische Autonomie, die Widerstandsfähigkeit der Energieinfrastruktur sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie.
Sinkt der Energiebedarf, entlastet das vor allem die Stromnetze, erleichtert den Umgang mit Störungen und verringert den Bedarf an zusätzlicher Erzeugungskapazität, Netzausbau sowie strategischen Reserven. Davon profitiert auch militärische Infrastruktur: Energieeffiziente Kasernen, Krankenhäuser und Führungszentren bleiben bei Versorgungsstörungen leichter einsatzfähig und sind weniger auf logistische Nachschubketten für Öl und Gas angewiesen.
„Energieeffizienz schafft Handlungsspielräume in der Krise. Wenn kritische Infrastruktur weniger Energie benötigt, sinkt ihre Verwundbarkeit," so Christian Noll.
Energieeffizienz als Schutzschild für Europas Industrie
Energieeffizienzlösungen für Industrie und Gebäude sind zugleich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: Europäische Unternehmen halten in diesem Bereich nach wie vor die Technologieführerschaft. Angesichts der europäischen Ressourcenabhängigkeit gilt es, diesen Vorsprung weiter auszubauen. Allein in Deutschland sichert die Energieeffizienzbranche mehr als eine Million Arbeitsplätze, und die jährlichen Investitionen in die energetische Modernisierung des Gebäudebestands entsprechen 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Hinzu kommt: Jeder Euro, der in die Effizienzsteigerung deutscher Produktionsstandorte fließt, trägt zugleich zur Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit bei.
„Efficiency First" als Baustein der Sicherheitsstrategie
DENEFF und EIES fordern deshalb, Energieeffizienz systematisch in Energie-, Industrie-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu verankern. Dazu zählen ein konsequenter „Efficiency First"-Ansatz bei öffentlichen Planungs- und Förderentscheidungen, die konsequente Umsetzung des Energieeffizienzgesetzes sowie eine Energiesicherheitsstrategie, die Energieeffizienz ausdrücklich als strategische Ressource anerkennt.
Weiterführende Informationen bietet der Policy Brief „The First Fuel of Security: Energy Efficiency and Germany's Path to Strategic Resilience", abrufbar unter: https://deneff.org/wp-content/uploads/2026/09/DENEFF_policybrief_securitypaper_EIES.pdf
Quelle: Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF)