Der Energieversorger EWE hat mit dem Bau einer 320-Megawatt-Elektrolyseanlage in Emden begonnen. Die Anlage ist Teil des Projekts Clean Hydrogen Coastline und soll ab Ende 2027 grünen Wasserstoff für industrielle Abnehmer bereitstellen. Mit der Vergabe des Auftrags für die Tief- und Hochbauarbeiten startet die konkrete Umsetzung eines der bislang größten Wasserstoffprojekte Europas.
Nach der finalen Investitionsentscheidung im Juli 2024 hat die EWE AG die Arbeiten an eine Arbeitsgemeinschaft aus den Bauunternehmen Ludwig Freytag, Gebrüder Neumann und MBN vergeben. Stefan Dohler, Vorstandsvorsitzender der EWE AG, bezeichnete den Baustart als entscheidenden Schritt von der Planung zur Umsetzung: „Damit entsteht einer der ersten Elektrolyseure in marktrelevanter Größe in Deutschland.“ Gleichzeitig schaffe die Zusammenarbeit mit den Bauunternehmen Planungssicherheit, um die aktive Vermarktung von grünem Wasserstoff zu starten und ein starkes Signal für den industriellen Markthochlauf zu setzen.
Dohler betonte zudem die Notwendigkeit verlässlicher politischer Rahmenbedingungen. Er verwies auf den Bericht des Bundesrechnungshofes zur Wasserstoffstrategie und forderte Beschleunigung und Wirtschaftlichkeit beim Markthochlauf. „Damit Wasserstoff eine tragende Rolle für Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit spielen kann, brauchen wir verlässliche und praxistaugliche Regelungen“, so Dohler.
EWE plädiert unter anderem für eine Reform der RFNBO-Regeln, um einen flexibleren und kosteneffizienten Betrieb von Elektrolyseuren zu ermöglichen. Weitere Forderungen umfassen wettbewerbsfähige Strompreise, netzdienliche Standortvorteile und verlässliche Nachfrageimpulse – etwa durch Quoten für grüne Industrieprodukte.
Drei Teilprojekte bilden „Clean Hydrogen Coastline“
Die Anlage in Emden ist Teil des Großprojekts Clean Hydrogen Coastline, das sich aus drei Teilprojekten zusammensetzt:
- Elektrolyseanlage Emden: Bau der 320-Megawatt-Anlage zur systemdienlichen Erzeugung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien.
- Integration in den Kavernenspeicher Huntorf: Umrüstung einer der sieben Salzkavernen von Erdgas- auf Wasserstoffspeicherung. EWE verfügt bereits über Erfahrung in der Speicherung und Extraktion von Wasserstoff, unter anderem am Standort Rüdersdorf bei Berlin.
- Optimierung der Gasinfrastruktur im Nordwesten: Umbau mehrerer Pipeline-Abschnitte, um Erzeugungsanlagen, Speicher und Nutzer über das deutsche Wasserstoffkernnetz sowie den European Hydrogen Backbone zu verbinden.
Mit dem Projekt unterstreicht EWE seine Rolle als Treiber für den Aufbau einer marktrelevanten Wasserstoffinfrastruktur in Deutschland.