Die Swiss Steel Group ist im Segment nichtrostender, nichtmagnetischer Stähle aktiv und beliefert damit unter anderem die Offshore-, Chemie- und Lebensmittelindustrie sowie die Medizintechnik. Seit einigen Jahren zählen auch hochfeste Güten für Marineanwendungen zum Portfolio. Im Rahmen eines aktuellen Projekts in Kanada setzt die Gruppe dieses Wissen nun über ihre Tochtergesellschaft Finkl Steel – Sorel ein.
Finkl Steel – Sorel, ein kanadischer Hersteller geschmiedeter Stahlkomponenten, strebt derzeit die Qualifizierung als Lieferant hochwertiger Edelstahlmaterialien für Marineanwendungen an. Grundlage dafür sind metallurgisches Know-how der Swiss Steel Group sowie die integrierten Fertigungskapazitäten am Standort Sorel. Die relevanten Anforderungen orientieren sich an internationalen Normen und Vorschriften – darunter jene des Deutschen Instituts für Wehrmaterial und Fertigungstechnik (WIWeB), der Klassifikationsgesellschaft Det Norske Veritas (DNV) sowie der Bauvorschrift 1050 für den Schiffbau der deutschen Marine.
Werkstoff 1.3964: Stabiler Voll-Austenit mit niedriger magnetischer Permeabilität
Im Mittelpunkt des Projekts steht die Herstellung von Stahl der Werkstoffnummer 1.3964 (vergleichbar mit UNS S20910), einem Chrom-Nickel-Molybdän-Stahl mit Niobstabilisierung. Das austenitische Gefüge dieses Stahls ist auch unter mechanischer Beanspruchung stabil, was zu einer extrem niedrigen magnetischen Permeabilität führt – eine Kernanforderung insbesondere für militärische Schiffsanwendungen.
Darüber hinaus weist der Stahl eine gute Beständigkeit gegenüber Meerwasserkorrosion auf und ist resistent gegen interkristalline Korrosion sowie Spannungsrisskorrosion. Er eignet sich für den Einsatz bei arktischen Temperaturen und hält hohen hydrostatischen Drücken in größeren Meerestiefen stand. Mit einer Zugfestigkeit zwischen 700 und 950 MPa und einer Streckgrenze von mindestens 365 MPa liegt er deutlich über den Festigkeitswerten anderer stabiler Austenitgüten. Gleichzeitig zeigt der Werkstoff gute Duktilität und Schweißeignung.
Produktion und weitere Güten bei den Deutschen Edelstahlwerken
Innerhalb der Swiss Steel Group liegt die Produktionskompetenz für amagnetische Edelstähle in erster Linie bei den Deutschen Edelstahlwerken (DEW). Der Werkstoff 1.3964 wird am Standort Witten auf mehreren Produktionsrouten hergestellt. Neben dieser Güte produzieren die DEW weitere voll austenitische Stähle: Werkstoff 1.4435 für den Einsatz in der Chemie-, Lebensmittel- und Pharmaindustrie; Werkstoff 1.4441 (UNS S31673) für die Herstellung medizinischer Implantate; sowie die Güten 1.3891 und 1.3892 (UNS K94610), die in der Offshore-Industrie, etwa für Bohrwerkzeuge, benötigt werden.
Quelle: Swiss Steel Group