Hauptinhalt dieser Seite

Sprungmarken zu den verschiedenen Informationsbereichen der Seite:

Sie befinden sich hier: Home. News. Themen.

Schiefergas – Brückentechnologie mit Nebenwirkungen

Themen

Schiefergas – Brückentechnologie mit Nebenwirkungen

Thema des Monats September 2011

Auf der Suche nach bezahlbaren, sicheren und klimafreundlichen Energiequellen setzen immer mehr Regierungen und Energiekonzerne weltweit auf so genanntes unkonventionelles Erdgas. Dessen Förderung war bis vor wenigen Jahren unrentabel, doch technologische Fortschritte und die konstant hohen Energiepreise machen unkonventionelle Lagerstätten wirtschaftlich zunehmend attraktiver.
Durch neue Fördertechnologien könnten weltweit zusätzliche Reserven mit mehr als 400 Billionen Kubikmeter Gas erschlossen werden, schätzt die Internationale Energieagentur (IEA). Das würde die bisher in konventionellen Vorkommen vermuteten Gasreserven mehr als verdoppeln, genug, um die heutige Nachfrage für über 250 Jahre zu stillen. Der Hauptanteil der neu erschließbaren Vorkommen lagert mehrere Kilometer tief in schwer durchlässigem Schiefergestein. Aufgrund der geologischen Bedingungen vermuten die Experten der IEA auf nahezu allen Kontinenten bedeutende Mengen Schiefergas, in Europa unter anderem in Polen, Frankreich, Großbritannien und Deutschland. Die größten unkonventionellen Gasfelder sollen in China und den USA liegen.


Abb. 1: Schematische Darstellung konventioneller und unkonventioneller Öl- und Gasvorkommen (Quelle: US Energy Information Administration)

In Nordamerika ist das Geschäft mit dem Schiefergas längst in vollem Gange. In den letzten acht Jahren hat sich in den USA die Förderung unkonventioneller Vorkommen laut IEA verdoppelt. Der weltweit größte Gasimporteur von einst ist inzwischen so gut wie unabhängig von Einfuhren und hat mit Russland als führendem Gasproduzenten gleichgezogen. Und nach wie vor zieht die amerikanische Schiefergas-Industrie Rekordinvestitionen an. Der US-Ölkonzern Chevron hat 2010 mehr als vier Milliarden US-Dollar für den US-Schiefergasförderer Atlas Energy hingelegt. In der bisher spektakulärsten Übernahme zahlte der Branchenriese Exxon Mobil im Frühjahr 2010 für einen führenden Schiefergas-Produzenten 41 Milliarden US-Dollar. Jetzt ist auch der weltgrößte australische Bergbaukonzern BHP Billiton in das amerikanische Schiefergas-Geschäft eingestiegen, mit Investitionen in Höhe von rund 17 Milliarden US-Dollar allein in der ersten Jahreshälfte 2011.

Die US-Regierung verspricht sich von der Erschließung der heimischen Schiefergas-Vorkommen nicht nur mehr Energiesicherheit, sondern gleichzeitig auch eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen. Gas gilt als „sauberster“ fossiler Brennstoff, weil bei der Verbrennung erheblich weniger Kohlenstoffdioxid freigesetzt wird als bei Kohle. Laut dem World Energy Outlook 2011 der IEA könnten unkonventionelle Gasvorkommen daher „der Schlüssel zum langfristigen Ausbau des Anteils von Gas am globalen Energiemix“ sein. Auch in Kanada, dem drittgrößten Gasproduzent der Welt, steigt der Anteil von Schiefergas an der Erdgasproduktion kontinuierlich an. China, Indien, Indonesien und Australien beabsichtigen ebenfalls, heimische Lagerstätten zu erschließen. Die USA wollen sie dabei mit Know-how unterstützen – mit China etwa gibt es seit November 2009 ein entsprechendes Kooperationsabkommen.

Auch in Europa laufen derzeit unter anderem in Spanien, Großbritannien, Deutschland und Polen Probebohrungen. Doch von der Goldgräberstimmung jenseits des Atlantiks ist hier bislang nicht viel zu spüren. Die Explorationsaktivitäten stoßen in der lokalen Bevölkerung zum Teil auf erheblichen Widerstand. Stein des Anstoßes ist das Verfahren zur Förderung des Schiefergases, das so genannte „Fracking“. Dabei werden große Massen Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in das Gestein hinein gepresst, bis es aufbricht und das Gas entweichen kann. Das verwendete Wasser ist danach oft hochgradig verseucht – durch die Chemikalien, aber auch beispielsweise durch Salze, radioaktive Elemente und andere für den menschlichen Organismus schädliche Stoffe, die natürlicherweise in großen Gesteinstiefen lagern.


Abb. 2: Schiefergas-Förderung im US-Bundesstaat Pennsylvania (Quelle: Ruhrfisch)

Mittlerweile ist das Fracking auch in den USA zunehmend umstritten. Wie die New York Times in einem umfangreichen Artikel im Februar 2011 berichtete, werden aus zahlreichen Bundesstaaten in Verbindung mit Fracking gesundheitliche Probleme und Fälle von Luft- und Wasserverschmutzung gemeldet. Die US-Umweltschutzbehörde EPA hat im Juli 2011 angekündigt, entsprechende Berichte überprüfen zu wollen. Die Staaten New York und Maryland haben inzwischen Moratorien ausgesprochen. Auch in Kanada regt sich Widerstand. In der französischsprachigen Region Quebec verhängte die Provinzregierung im März 2011 ebenfalls ein Moratorium über die Exploration von Schiefergas. Nun soll erst einmal eine Expertengruppe einen Bericht über die Umweltauswirkungen der Schiefergas-Förderung anfertigen.

Die Ergebnisse dieser und zahlreicher anderer laufender Untersuchungen werden auch in Europa mit Spannung erwartet. Es scheint, als könne der Gasrausch enden, bevor er überhaupt begonnen hat. Nach Bevölkerungsprotesten hat Frankreich als erstes Land Bohrungen mit der Fracking-Methode per Gesetz untersagt. Auch in Deutschland äußern immer mehr Politiker und Bürgerinitiativen Bedenken gegen den Schiefergasabbau. Doch nicht überall will man den Traum vom eigenen Gas so schnell aufgeben: Zwar hat in Großbritannien das erste aktive Schiefergasunternehmen die Förderung von sich aus vorübergehend auf Eis gelegt, nachdem mutmaßlich die Bohrungen nahe der Küstenstadt Blackpool zwei kleinere Erdbeben ausgelöst hatten. In Anbetracht des Zugewinns an Energiesicherheit rechtfertige das „hypothetische und unbewiesene Risiko“ derzeit jedoch kein Moratorium, so die britische Regierung in einem Bericht vom Juli 2011. In London verfolgt man nach eigener Aussage nicht nur die Entwicklungen in Nordamerika, sondern vor allem auch in Polen gespannt. In dem Land, wo einige der größten europäischen Vorkommen vermutet werden, ist der Enthusiasmus angesichts des unverhofften Gasreichtums derzeit größer als alle Umweltbedenken.






Sie wollen mehr aktuelle Informationen?

Melden Sie sich hier für unsere kostenlosen Newsletter an:

>> wire Newsletter

>> Tube Newsletter

Weitere Themen:
- Elektromobilität in Deutschland
- Schnell online: Ausbau der Breitbandnetze in Deutschland
- EITI: mit Transparenz gegen den Ressourcenfluch

 

Mehr Informationen

Rohre auf Facebook

Rohre - Herstellung und Verarbeitung auf Xing

Jetzt Gruppenmitglied werden!

drupa auf Xing

Tube Newsletter

Tube Newsletter

Bestens informiert mit unserem Newsletter.

Jetzt anmelden

RSS-Service

RSS-Service

Aktuelle Branchennews mit unserem RSS-Service empfangen.

Mehr Informationen

Archiv

Sie suchen nach älteren Artikeln der tube? Hier gelangen Sie zum Archiv unserer Branchennews:

Zum Archiv