Hauptinhalt dieser Seite

Sprungmarken zu den verschiedenen Informationsbereichen der Seite:

Sie befinden sich hier: Home. News. Themen.

Schnell online: Ausbau der Breitbandnetze in Deutschland

Themen

Schnell online: Ausbau der Breitbandnetze in Deutschland

Thema des Monats Juli 2011

Internet-Highways gibt es in Deutschland nur wenige. Bislang wurden vor allem die kupferbasierten Telefonnetze bis an den Rand des technisch Machbaren ausgereizt, wohingegen der Ausbau von Glasfasernetzwerken nur schleppend vorankam. Allerdings gibt es bis heute auch nur wenige Inhalte und Dienste, bei denen die ultraschnellen Verbindungen benötigt werden. Doch in den nächsten Jahren dürfte sich der Bandbreitenbedarf vor allem durch Videoanwendungen vervielfachen.

Angebote wie Fernsehprogramme in HDTV-Qualität (High Definition Television) oder sogar in 3D, Video on Demand, Internet-Telefonie und Internet-Video werden den Bandbreitenbedarf schnell nach oben treiben, stellt Deloitte in der Studie "Breitband Reloaded" fest. Hinzu kommt das Cloud Computing, also die Bereitstellung von Software und Daten aus dem Internet, das große Netzkapazitäten fordert. Der Datenverkehr wächst derzeit explosionsartig. Bis 2015 werde die Datenmenge sogar noch um den Faktor 20 zunehmen, schätzen die Betreiber des zentralen Internet-Knotens in Frankfurt. Außerdem muss die Übertragung immer öfter in Echtzeit erfolgen, etwa bei Videokonferenzen oder beim Internet-Fernsehen IPTV (Internet Protocol Television).

Noch vor wenigen Jahren waren Telefonmodems mit bis zu 56 kbit/s und ISDN-Verbindungen mit zwei gebündelten Kanälen zu 64 kbit/s gängig. Dann kam der DSL-Standard (Digital Subscriber Line), bei der Daten mit bis zu 500 Mbit/s empfangen und gesendet werden konnten, ebenfalls über die einfachen Kupferleitungen des Telefonnetzes. Der erste schnelle Zugang für Privatkunden war ADSL (Asymmetrisches DSL: hohe Datenrate in Richtung Nutzer, niedrige Datenrate in Richtung Internet). Derzeit ist in vielen größeren deutschen Städten VDSL (Very High Speed DSL) verfügbar, das mit 50 bis 200 Mbit/s genügend Bandbreite für die meisten Wünsche bietet.


Glasfaserkabel (Foto: Stadtwerke Pinneberg)

Doch sind einige ländliche Regionen, etwa in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern, noch immer vom Internet abgeschnitten. Diese letzten weißen Flecken sollen laut dem Wirtschaftsministerium noch in diesem Jahr Internet mit mindestens 1 Mbit/s erhalten. Das Ziel ist, bis zum Jahr 2014 rund 75 Prozent der Haushalte mit Highspeed-Internet zu versorgen. Bisher können nur etwa 36 Prozent der Haushalte von den schnellen Leitungen mit mindestens 50 Mbit/s profitieren. „Die flächendeckende Versorgung unseres Landes mit leistungsfähigen Breitbandanschlüssen und der Aufbau von Netzen der nächsten Generation sind wichtige Voraussetzungen für wirtschaftliches Wachstum und steigenden Wohlstand“, meint Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

Für das Internet der Zukunft dürften jedoch selbst die VDSL-Netze nicht reichen. Denn die Verbindungsgeschwindigkeiten können wegen des Kupfers, das im letzten Stück der Leitung zum Kunden steckt, nicht immer weiter gesteigert werden. Zukunftspotential für High-Speed-Internet bieten deswegen vor allem Glasfaserkabel, die bis zu einem Gigabit pro Sekunde erreichen. Obwohl der Aufbau dieser Netze seit Jahren in Deutschland diskutiert wird, nutzten Anfang 2011 nur etwa 150.000 Menschen einen FTTH- oder FTTB-Anschluss (Fibre to the Building/Fibre to the Home).

Die Anbindung an das Glasfasernetz ist kostspielig, da die Kabel neu vergraben und in den Häusern möglichst nah an den Kunden verlegt werden müssen. Während ein Haushalt im Schnitt für 700 Euro mit VDSL versorgt werden kann, liegen die Kosten für FTTB bei rund 1500 Euro, bei FTTH sogar bei bis zu 3300 Euro. Dabei hängen die Kosten sehr stark von der Lage des Kunden ab, in Ballungsräumen sind sie naturgemäß niedriger als in ländlichen Regionen. Und die Kunden, die im DSL-Bereich immer wieder höhere Geschwindigkeiten bei nachgebenden Preisen erhalten haben, wollen meist für die schnellste Verbindung nicht mehr Geld zahlen.

Abseits der großen Städte erfolgte bislang ein relativ unkoordinierter Glasfaser-Ausbau zu vielen kleineren, fragmentierten Netzen. So verlegte etwa Nexans Deutschland Industries mit Hilfe eines Katamarans ein Lichtwellenleiter-Kabel durch den Bodensee. Das Seekabel verläuft 26 Kilometer zwischen Friedrichshafen und Konstanz und ermöglicht schnellen Datenfluss für Behörden und Unternehmen zwischen den beiden Städten. Unter seinem robusten Mantel beinhaltet das Kabel vier Edelstahl-Bündeladern mit je 48 Monomode-Lichtwellenleitern, jede davon geeignet für die ultraschnelle Übertragung großer Datenströme, digitaler Fernsehsignale oder quasi unzählbar vieler Telefongespräche.


LTE-Sendemast in Kyritz/Brandenburg (Foto: Deutsche Telekom)

In den ländlichen Regionen wird vor allem der DSL-Ausbau forciert. Zwar ist in vielen Regionen der Netzausbau wegen der wenigen Kunden und der hohen Kosten nicht wirtschaftlich, doch beteiligen sich oft die Kommunen, indem sie beispielsweise Kabelkanalanlagen zur Verfügung stellen, den Tiefbau übernehmen oder die finanzielle Deckungslücke ausgleichen. Über Förderprogramme der Bundesländer erhalten die Gemeinden in der Regel den größeren Teil ihrer Investitionen zurück. Wo selbst der Internetausbau über Festnetz zu teuer ist, werden Mobilfunk- und Richtfunklösungen installiert, um das Internet aufs Land zu bringen.

Neben den klassischen Telekommunikationsunternehmen dienen auch Kabelanbieter als Antreiber für den Ausbau von Hochgeschwindigkeitsnetzen, meint Dorothea von Wichert-Nick von Solon Management Consulting. Schon werden per Kabelnetz in vielen Regionen höhere Bandbreiten erzielt. Das derzeit schnellste Kabel-Angebot liegt bei 200 Mbit/s, Tests ergaben allerdings mögliche Geschwindigkeiten von 1,2 bis 1,4 Gbit/s. Damit könnten Kabelnetzanbieter besonders in weniger dicht besiedelten Gebieten mittelfristig die Technologieführerschaft übernehmen.

Für die Breitbandstrategie der Bundesregierung ist auch der flächendeckende Aufbau des Mobilfunks ein wichtiger Faktor. Derzeit wird LTE (Long Term Evolution) implementiert, die vierte Generation des Mobilfunks und damit der Nachfolger von UMTS. Übertragungsraten von mehr als 100 Mbit/s sollen damit möglich sein, der Vorgängerstandard schafft nur 384 kbit/s. Das erste LTE-Hochgeschwindigkeitsnetz wurde gerade in Köln in Betrieb genommen. „Schnelle Datenverbindungen sind heute genauso wichtig wie die Autobahnanbindung oder ein Flughafen“, sagte der Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters bei der Eröffnung Anfang Juni.

Das Datenvolumen steigt auch im deutschen Mobilfunk rasant. Waren es im Jahre 2005 noch 0,2 Millionen Gigabyte, sind es laut einer Schätzung des Branchenverbands Bitkom im Jahr 2011 bereits rund 70 Mio. Gigabyte. Das entspricht dem Datenvolumen von rund 45 Millionen Spielfilmen. „In Köln gibt es die Möglichkeit, die Surf-Geschwindigkeit, die man vom Festnetz kennt, auch mobil zu erleben", so Niek Jan van Damme, Vorstandsmitglied und verantwortlich für das Deutschlandgeschäft der Telekom. Bereits in den kommenden Wochen soll der Ausbau in rund einhundert Städten in ganz Deutschland beginnen. Und auch ländliche Regionen, die per Kabel nur schwer zu erschließen sind, sollen bald den LTE-Standard erhalten, um an der digitalen Revolution teilhaben können.






Sie wollen mehr aktuelle Informationen?

Melden Sie sich hier für unsere kostenlosen Newsletter an:

>> wire Newsletter

>> Tube Newsletter

Weitere Themen:
- EITI: mit Transparenz gegen den Ressourcenfluch
- Energiewende in Deutschland – Katalysator für technische Neuentwicklungen?
- Lange Leitungen – Pipelineprojekte in Deutschland

 

Mehr Informationen

Rohre auf Facebook

Rohre - Herstellung und Verarbeitung auf Xing

Jetzt Gruppenmitglied werden!

drupa auf Xing

Tube Newsletter

Tube Newsletter

Bestens informiert mit unserem Newsletter.

Jetzt anmelden

RSS-Service

RSS-Service

Aktuelle Branchennews mit unserem RSS-Service empfangen.

Mehr Informationen

Archiv

Sie suchen nach älteren Artikeln der tube? Hier gelangen Sie zum Archiv unserer Branchennews:

Zum Archiv