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Hohe Kupferpreise: Metalldiebstahl hat Konjunktur
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Hohe Kupferpreise: Metalldiebstahl hat Konjunktur
Thema des Monats Oktober 2011
Kabel, Regenrinnen, Kirchdächer und sogar Grableuchten: Kein Gegenstand aus Kupfer ist derzeit vor Dieben sicher. Wegen der hohen Rohstoffpreise blüht der illegale Handel mit dem hellroten Metall. Der Preisanstieg des Industriemetalls in den vergangenen Jahren war enorm, von Anfang 2009 bis Anfang 2011 haben sich die Kupferpreise mehr als verdreifacht. Parallel dazu ist auch der Preis für Kupferschrott gestiegen und macht die Beutezüge lukrativ.
Abb. 1: Typischer Kupferschrott (Foto: Aurubis)
Kupfer wurde von den Menschen schon vor rund 10 000 Jahren in der Steinzeit verwendet. Es ist ein relativ weiches und dehnbares, aber auch widerstandsfähiges und sehr beständiges Metall, das sich gut verarbeiten und formen lässt. Rund 40 Prozent aller Kupferanwendungen findet man heute im Bausektor, sowohl in der Elektro- als auch in der Sanitärinstallation. Ein weiterer bedeutender Einsatzbereich ist die Elektrotechnik, weil Kupfer eine hervorragende Wärme- und Leitfähigkeit besitzt. Außerdem werden Kupferlegierungen, unter ihnen insbesondere Messing und Bronze, im architektonischen Bereich immer stärker eingesetzt. Der bedeutendste Kupferproduzent der Welt ist Chile, mit deutlichem Abstand folgen die Vereinigten Staaten und Peru.
Das Ziel der Metalldiebe sind häufig Bahnstrecken, rund 2500-mal griffen sie im vergangenen Jahr bei Kabeln der Bahn zu. Und die Zahlen steigen rasant weiter an. Erst im September legten Diebe die Strecke zwischen Magdeburg und Braunschweig drei Stunden lang lahm, weil sie Erdungskabel abmontiert hatten. Besonders beliebt sind auch die Signalkabel. Die Banden transportieren sie zunächst in osteuropäische Länder, brennen dort die Kunststoff-Ummantelung ab und lassen das Metall dann nach Fernost verschiffen. Wegen ihrer Lage sind vor allem die neuen Bundesländer stark betroffen, weil die kostbare Beute dort schnell über die Grenze geschafft werden kann. Regelmäßig stellt die Polizei bei Kontrollen an der deutsch-polnischen Grenze geklautes Kupfer sicher.
Die Diebe nehmen alles mit, was ihnen in die Fänge kommt. Unter Spannung stehende Kabel werden abisoliert und die Adern einzeln durchtrennt. Gerade die Zuleitungen zu Schwimmbaggern und Förderbändern in Kieswerken sind begehrt und sehr teuer zu ersetzen. Kupferdiebe haben auch schon Trafohäuschen von Windrädern aufgebrochen und reihenweise Lampen, Kreuze und andere Kupfergegenstände von Friedhofsgräbern mitgenommen. Die Schäden können erhebliche Ausmaße annehmen, etwa wenn tonnenschwere Kabelrollen von Baustellen entwendet werden.
Die Diebe machen sogar vor Kunstwerken nicht halt. So landete in Schwerin eine Büste des Archäologen Heinrich Schliemann komplett zersägt im Schrott – die Diebe hatten die Bronzebüste für Kupfer gehalten. Das 84 Kilogramm schwere Denkmal für den Troja-Ausgräber war gestohlen, zersägt und bei einem Rohstoffhändler in der Nähe verkauft worden. Auch die «Frau mit Kind» aus der ostwestfälischen Kleinstadt Bünde ist weg.
Der Bundesverband Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen betont, dass sich die Schrotthändler stets die Ausweise der Verkäufer zeigen zu lassen, damit sie keine Hehlerware angedreht bekommen. Doch ausschließen können sie nicht, dass sie geklautes Buntmetall annehmen. Die Bahn geht nun in die Offensive: Sie markiert Schienen, Kabel und Anlagen zukünftig mit einem für die Täter unsichtbaren Zahlencode. Unter speziellem Licht kommen die mit Mikropartikeln des eingearbeiteten Zahlencodes zum Vorschein. Dazu erklären Bahn-Mitarbeiter den Schrotthändlern, wie sie geklaute Ware aus Bahnbeständen erkennen.
Der Preis für Kupfer lag an Weihnachten 2008 nur bei 2790 Dollar je Tonne. Im Februar dieses Jahres wurde das Metall für 10 190 Dollar gehandelt, mittlerweile ist der Preis wieder auf unter 8000 Euro gefallen. Die Kupferpreise hängt sehr stark von der Weltkonjunktur ab. Floriert die Wirtschaft, steigen die Begehrlichkeiten nach Kupfer und damit auch der Preis. Im vergangenen Jahr war die Nachfrage so groß, dass es ein Angebotsdefizit von etwas mehr als 400.000 Tonnen gab. Zwar werden jährlich weltweit mehr als 16 Millionen Tonnen des roten Metalls neu aus Erz gewonnen. Doch die Kosten für den Abbau von Kupfer sind deutlich angestiegen, da Kupfer aus immer rohstoffärmerem Erz gewonnen werden muss. Das heißt für die gleiche Menge Kupfer muss mehr und mehr Gestein abgebaut werden. Auch der Energieverbrauch steigt deutlich an, weil das Kupfer aufwendig zerkleinert und aufgeschmolzen werden muss.
Gerade in Europa, wo die Vorkommen klein und die Lagerstätten erschöpft sind, ist das Recycling von Kupfer beliebt. Deutschland deckt fast die Hälfte seines Kupferbedarfs über das Recycling ab, weltweit liegt der Anteil bei circa zehn Prozent. Kupfer lässt sich beliebig oft und ohne Qualitätseinbußen wiederverwerten, weil die elektrolytische Raffination es ermöglicht, unedle und edle Verunreinigungen aus Kupfer restlos zu entfernen. Rund 80% allen jemals geförderten Kupfers befindet sich heute noch im Gebrauch.
Abb. 2: Rundbarren im Stranggusslager (Foto: Aurubis)
Damit sich Unternehmen vor Kabelklau schützen können, hat die Firma Klotter aus Rheinau ein spezielles Kabelüberwachungs-Alarmgerät entwickelt. Das sogenannte KÜWAG ist ein sensorgesteuertes Überwachungsgerät, das an bis zu fünf Kupferkabeln angeschlossen wird und einen Alarm auslöst, wenn die Leitung beschädigt oder durchgeschnitten wird. Eine Signalhupe und ein Lichtstrahler schalten sich ein, außerdem wird der Wachdienst per SMS alarmiert.
Die Firma Secplan aus Reichelsheim hat das Sicherheitssystem Videofied herausgebracht, ein drahtloses System aus Bewegungsmelder und Kamera. Die Komponenten benötigen keine Infrastruktur, da sie bis zu vier Jahre im Batteriebetrieb arbeiten und der Alarm über das Mobilfunknetz gesendet wird. Das System nimmt nach der Aktivierung durch den Bewegungsmelder eine zehn Sekunden lange Videosequenz auf und schickt diese an den Wachdienst. So können Fehlalarme durch Tiere schon in der Notrufleitstelle erkannt werden und die Täter von der Polizei auf frischer Tat ertappt werden.
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