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FA 01: Innovative Produkte für neue Märkte!
Die deutsche Kunststoffrohrindustrie hat sich weitgehend von dem krisenbedingten Einbruch der vergangenen Jahre erholt und blickt wieder optimistischer in die Zukunft. Zwar sind für das Jahr 2010 noch keine genauen Produktionsdaten bekannt, doch kann man nach zwei Jahren mit einem kräftigen Einbruch der Produktionsmengen von einer Zunahme ausgehen. Darauf deuten nicht nur Informationen aus Herstellerkreisen, sondern auch der seit Ende 2008 vom Kunststoffrohrverband e.V., Bonn veröffentlichte Geschäftsklima-Index (www.krv.de).
Der vierteljährlich erhobene Indikator zur Entwicklung der aktuellen Lage und Erwartung für das Folgequartal bei den Herstellern von Kunststoffrohren und Formstücken bzw. (im Bereich Haustechnik) Kunststoffrohr-Systemanbietern lag im 4. Quartal 2010 zum dritten Mal in Folge im positiven Bereich. Allerdings belasten Rohstoff-Preissteigerungen zunehmend die Ertragslage in der Branche.
Der frühzeitige Wintereinbruch des vergangenen Jahres ließ den Geschäftsklima-Index im 4. Quartal 2010 gegenüber den beiden vorherigen Quartalen freilich etwas niedriger ausfallen. Während die Geschäftserwartung für das 1. Quartal 2011 weiter zunahm, wurde die aktuelle Geschäftslage von den teilnehmenden Unternehmen deutlich schwächer beurteilt. Das sehr hohe Niveau beim Index für die Geschäftserwartung spricht nach Ansicht des Verbandes dafür, dass die Nachfrageausfälle im 4. Quartal 2010 Anfang dieses Jahres kompensiert werden können. Dies gilt laut KRV sowohl für die Ver- und Entsorgung als auch für den Bereich Haustechnik. Im Sektor Industrierohre, der wesentlich zum guten Ergebnis im 4. Quartal beitrug, soll sich der Aufschwung auf hohem Niveau fortsetzen.
Weniger erfreulich gestaltet sich die aktuelle Ertragslage der Rohstoffhersteller. Hier wirken sich die deutlich über dem Vorjahresniveau liegenden Herstellkosten negativ aus. Verantwortlich für den Margeneinbruch sind im Wesentlichen die steigenden Preise für Rohstoffe und deren Vorprodukte. Hier verzeichnet man seit Jahresbeginn prozentuale Erhöhungen im zweistelligen Bereich. Dazu kommen steigende Transport- und Energiekosten.
Positive Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf hatten im 3. Quartal 2010 neben der allgemeinen Konjunkturverbesserung und dem Nachholbedarf aus dem Frühjahr auch eine Belebung der Projektgeschäfte. Nur im Bereich Entsorgung zeigt sich im Hinblick auf das Jahresende 2010 nach Aussage der Rohrhersteller ein eher zwiespältiges Bild. Zwar profitierte auch dieser Sektor von der allgemein verbesserten Nachfragesituation. Dem stand jedoch eine abnehmende Investitionsbereitschaft vor allem der finanziell klammen Kommunen entgegen. Im Vergleich zur deutschen Wirtschaft insgesamt konnte die einheimische Kunststoffrohr-Industrie vom kräftigen Aufschwung des vergangenen Jahres deshalb nur teilweise profitieren. Neben den leeren öffentlichen Kassen macht sich auch der Abbau der staatlichen Förderprogramme zur Belebung des Wohnungsbaus negativ bemerkbar. Die Kunststoffrohr-Industrie reagiert darauf unter anderem mit der Entwicklung innovativer Produkte, um ihre Marktposition zu verbessern, Marktanteile auszubauen und neue Geschäftsfelder zu entwickeln.
Ein Blick zurück zeigt die beträchtlichen Auswirkungen der globalen Finanzmarktkrise auf die deutsche Kunststoffrohr-Industrie. Nach einem Rückgang der Produktionsmengen um 4,8 Prozent in 2008 verzeichneten die deutschen Hersteller 2009 einen weiteren Einbruch von 10,2 Prozent. Die Jahresproduktion von Rohren und Formstücke ging damit um 69.000 Tonnen auf 607.000 Tonnen zurück. Zum Vergleich: 2007 erreichte die deutsche Kunststoffrohrproduktion mit 710.000 Tonnen die höchste Produktionsmenge des vergangenen Jahrzehnts. Auf die verschlechterten Rahmenbedingungen - verstärkter Druck auf die Auslastung der Produktionskapazitäten, steigende Werkstoffpreise bei hoher Wettbewerbsintensität und damit verbundene Ertragseinbußen - reagierten viele Unternehmen mit Kostensenkungsprogrammen.
Laut KRV-Jahresbericht 2009/2010 mussten die Kunststoffrohrhersteller in 2009 sowohl im Anwendungsbereich „Versorgung“ von erdverlegten Kunststoffrohrleitungssystemen als auch in den Teilmärkten „Entsorgung“ sowie „Haus- und Gebäudetechnik“ stärkere Einbußen hinnehmen. Der Gas- und Wärmemarkt leidet vor allem darunter, dass der Anteil gasversorgter Neubauten stark rückläufig ist. Gasversorgungsunternehmen investieren zudem kaum noch in neue Netze, weil die klimapolitischen Rahmenbedingungen für Gas keine herausragende Rolle mehr im Wärmemarkt vorsehen. Auch die Nachfrage von Kunststoffrohrsystemen im Entsorgungsbereich litt 2009 unter dem rückläufigen Wohnungs- und Wirtschaftsbau. Dem stehen neuen Anwendungsfelder für Kunststoffrohrsysteme gegenüber, beispielsweise in der Kraftwerks- und Solartechnik, im Bereich der Kabelschutzrohre (erdverlegte Telekommunikationstechnologien, Off-Shore-Windkraftanlagen), sowie bei industriellen Anwendungen.
Im Vergleich zu vielen anderen Industriezweigen ist die deutsche Kunststoffrohr-Industrie stärker vom Inlandsmarkt abhängig. 2008 lag die Exportquote nach KRV-Angaben noch bei 27,8 Prozent. Im Jahr 2009 erreichten die Exporte nach einem Einbruch um 21,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr weniger als ein Viertel der Gesamtproduktion. Zum Vergleich: Der Inlandsabsatz von Kunststoffrohrsystemen nahm im selben Zeitraum nur um 7 Prozent ab.
Die nach Werkstoffen differenzierten Produktionsmengen zeigen, dass Kunststoffrohrsysteme aus Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) im vergangenen Jahrzehnt ihre Marktstellung kontinuierlich ausbauen konnten. Insbesondere Polyethylen hat im Bereich der Trinkwasser- und Gasversorgung eine führende Stellung erobert. Im Jahr 2009 kam es jedoch bei allen Werkstoffen zu Rückgängen der Herstellmengen. Dabei waren die Produktionsrückgänge von PE- und PP-Rohrsystemen 2009 geringer als bei Polyvinylchlorid (PVC-U). Kunststoffrohrsysteme aus PVC-U haben aber nach Einschätzung des Verbandes nach wie vor eine Domäne in den Druck- und drucklosen erdverlegten
Anwendungsbereichen sowie in industriellen Teilmärkten.
Nicht nur in Deutschland ist die Kunststoffrohrindustrie nach dem Einbruch wieder auf Wachstumskurs. Fachleute gehen davon aus, dass auch die europäische Kunststoffrohrindustrie ihr Mengenwachstum fortsetzen kann. Bei Rohranwendungen in Privathaushalten wird ein stetiges, aber nicht sehr schnelles Wachstum erwartet. Stärkere Wachstumsraten werden Rohranwendungen in der Industrie zugetraut. Zwei Industrierohranwendungen, bei denen man für 2010 Wachstum erwartet, sind verstärkte Rohre und PE-RT Rohre mit großem Durchmesser. Wachstumschancen gibt es auch für Anwendungen, bei denen verschiedene Werkstoffe kombiniert werden. Diese Rohrsysteme besten beispielsweise aus kunststoffbeschichteten Stahlrohren oder aus Kombinationen wie Polyethylen hoher Dichte (HDPE) mit Polyamiden und Polypropylen (PP) mit Polyethylen mit erhöhter Temperaturbeständigkeit (PE-RT).
Aktuelle Neuentwicklungen sind vollständig vorisolierte Kunststoffrohrsysteme in großen Dimensionen für sekundäre Kühl- und Tiefkühlrohrleitungen. Der Hersteller verspricht eine bis zu sechsmal geringere Installationszeit gegenüber herkömmlichen Systemen und dank der Korrosionsbeständigkeit eine verbesserte Effizienz sowie geringere Installations- und Wartungskosten. Das System basiert auf einem korrosionsfreien Innenrohr aus ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol), das von einer kompakten PUR-Isolation umgeben ist. Eine außen liegende PE-Ummantelung bietet Schutz vor mechanischen Einflüssen, zum Beispiel beim Hochdruck-Reinigen. Die glatte Innenseite der ABS-Kunststoffrohre verhindert Ablagerungen aus dem Medium, fördert das gleichmäßige Strömungsverhalten im Rohr und reduziert Druckverluste (www.piping.georgfischer.com).
Bei der Rohrextrusion geht der Trend zu mehrlagigen Kunststoffrohren mit Funktionsschichten. Eine Besonderheit der zur Anwendung im Heiß- und Kaltwasserbereich gedachten Rohre liegt in der Verwendung von Faserverbundkunststoffen (FVK). Im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffrohren für den Heißwassertransport sollen dreilagige PP-R-Faserverbundrohre einige Vorteile bieten. So die relativ einfache Verarbeitung der Faserverbundkunststoffe auf Basis von Polypropylen (PP). Bei Wärmeeinfluss ändert sich laut Hersteller die Rohrlänge kaum, was dem Installateur beim Dehnungsausgleich und bei der Verbindungstechnik die Arbeit erleichtert. Aufgrund der Steifigkeit von PP-R-Faserverbundrohren kann zudem der Abstand zwischen den Befestigungsschellen größer gewählt werden als bei der Installation ungefüllter PP-R Rohre (www.krauss-maffei.de).
Die Trinkwasserversorgung gilt generell als Anwendungsgebiet mit hohen Wachstumschancen. So liegt nach Angaben aus Industriekreisen (www.simona.de) der Investitionsbedarf in der Wasserver- und Abwasserentsorgung weltweit zwischen 400 und 500 Mrd. Euro, im Bereich der OECD bei rund 200 Mrd. Euro und allein in Deutschland bei 7 Mrd. Euro. Dazu zählen neben üblichen Rohren und Formteilen für Wasserversorgungsleitungen zum Beispiel auch Rohrleitungssysteme für Meerwasserentsalzungsanlagen. Ein weiteres Zukunftsfeld sieht die Branche im Verkehrsbereich. So geht man von einem Wachstum im weltweiten Flugverkehr von bis zu sieben Prozent in den nächsten 20 Jahren aus. Wesentlich dramatischer wird die Zunahme des Straßenverkehrs eingeschätzt – vor allem in Asien. In Indien soll sich die Anzahl der PKW pro 1000 Einwohner bis 2050 in etwa verdreifachen und in China sogar um rund das Achtfache steigen. Mancher Kunststoffrohrhersteller sieht deshalb die großen Wachstumspotenziale außerhalb der etablierten Märkte vor allem in Osteuropa, Asien und Südamerika.
Auch im Bereich der Energie- und Umwelttechnik sind die Herausforderungen und Chancen groß. Kunststoffrohrprodukte werden beispielsweise für die Rauchgasentschwefelung und die Auskleidung von Kaminen genutzt. Neuere Entwicklungen sind Produkte für die Tiefengeothermie und Rohrleitungssysteme zum CO2-Transport. Bei der Geothermie wird die Erdwärme als nachhaltige Energieform genutzt, in dem beispielsweise mit Hilfe eines komplexen Rohrleitungssystems Grundwasser an die Oberfläche befördert und zur Wärme-/Kältegewinnung genutzt wird. Bei Rohrsystemen für den CO2-Transport - wie beim Projekt „OCAP CO2 Green-Gas“ - wird das in einer Raffinerie als „Nebenprodukt“ anfallende Treibhausgas in einem über 140 km langen Rohrsystem in nahe gelegene Gewächshäuser geleitet und so als Wachstumsförderer in der Pflanzenproduktion verwendet.
Unübersehbar ist, dass die Märkte für Kunststoffrohrsysteme einer dynamischen, ständigen Weiterentwicklung unterliegen. Aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Kunststoffe ist es anders als früher heute möglich, für anwendungsspezifische Anforderungen ganz gezielt spezielle Produkte zu entwickeln. Damit wird die Welt der Kunststoffprodukte nach Ansicht des KRV an Komplexität zunehmen. Beeinflusst von den drei Megatrends - Wachstum der Weltbevölkerung, Globalisierung und Verstädterung sowie Klimawandel - wird es auch für die Kunststoffrohr-Industrie darum gehen, ständig neue, bessere Lösungen zu entwickeln.
Die Produktionsmengenentwicklung über einen längeren Zeitverlauf zeigt nach Ansicht des KRV, dass sich Kunststoffrohrsysteme auf einem langfristigen Wachstumspfad befinden. Mit der technischen Weiterentwicklung des Werkstoffs „Kunststoff“, mit Fortschritten bei der Produktions- und Verfahrenstechnik sowie der Entwicklung leistungsfähiger Produkte für neue Anwendungsfelder stellt sich die Kunststoffrohr-Industrie als innovative Branche mit nachhaltigen Wachstumsperspektiven dar. Die wirtschaftliche Entwicklung für 2011 hängt wie in anderen Branchen vor allem von der weiteren Entwicklung auf den Rohstoffmärkten sowie vom Tempo der Erholung in den Industrienationen ab. Insgesamt geht die Branche tendenziell von einer anhaltenden Verbesserung der Nachfragesituation auf den Weltmärkten für das Jahr 2011 aus. Bereits im darauf folgenden Jahr wird die Kunststoffrohrindustrie (vom 26. bis 30. März 2012) auf der nächsten Internationalen Rohr-Fachmesse Tube in Düsseldorf wieder neue und innovative Lösungen ausstellen. Weitere Informationen sowie Bilder zu den einzelnen Themengebieten finden sich unter den aufgeführten Links.
Ihr Pressekontakt Tube 2012:
Petra Hartmann-Bresgen
Kathrin Kleophas van den Bongardt
Tel.: +49 (0)211/4560-541/-544
Fax: +49 (0)211/4560-87 541/-87 544
E-Mail: HartmannP@messe-duesseldorf.de
E-Mail: KleophasvandenBongardtK@messe-duesseldorf.de
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